Haut
Nahaufnahme
menschlicher Haut (Felderhaut)
Die Haut (lat.
cutis) ist flächenmäßig (jedoch nicht nach der realen Oberfläche; Darm bis 450
m²) das größte (je nach Körperumfang und Körpergröße 1,5 - 2 m2), das schwerste
(bis zu 10 kg) und funktionell das vielseitigste Organ des menschlichen oder
tierischen Organismus. Sie dient der Abgrenzung von Innen und Außen
(Hüllorgan), dem Schutz vor Umwelteinflüssen, der Repräsentation, Kommunikation
und Wahrung der Homöostase (inneres Gleichgewicht). Weiterhin übernimmt die
Haut wichtige Funktionen im Bereich des Stoffwechsels und der Immunologie und
verfügt über vielfältige Anpassungsmechanismen. Die Haut verträgt den pH-Wert
von 5,5 am besten.
Aufbau der Haut
Aufbau der
menschlichen Haut mit Hautanhangsgebilden
Die äußere Haut
(Cutis) gliedert sich prinzipiell in 3 Hauptschichten:
Oberhaut (Epidermis)
Lederhaut (Dermis oder Corium)
Unterhaut (Subcutis)
Epidermis
(Oberhaut)
Die Epidermis
oder "Oberhaut" gehört zu den Epithelgeweben, es handelt sich um ein
mehrschichtiges verhornendes Plattenepithel, das üblicherweise zwischen 0,03
bis 0,05 Millimeter, an den Handinnenflächen und den Fußsohlen aber bis zu
mehrere Millimeter dick ist.
Von Außen nach
Innen werden folgende Schichten unterschieden:
Hornschicht (Stratum corneum)
Glanzschicht (Stratum lucidum)
Körnerschicht (Stratum granulosum)
Stachelzellschicht (Stratum spinosum)
Basalschicht (Stratum basale).
Dermis (Corium,
Lederhaut)
Die Dermis
besteht vorwiegend aus Bindegewebsfasern und dient der Ernährung und
Verankerung der Epidermis. Hier versorgt das fein kapillarisierte
Blutgefäßsystem die Grenzzone zur Epidermis. Der Ursprung der Talg- und
Schweißdrüsen findet sich in der unteren Lederhaut. Diese enthält die für die
Temperaturregelung wichtige glatte Muskulatur und Blutgefäße.
Die Dermis wird
in ein Stratum papillare (Papillenschicht, Zapfenschicht, Papillarkörper) und
ein Stratum reticulare (Netzschicht) unterteilt.
Subcutis
(Unterhaut)
Die Subcutis
bildet die Unterlage für die darüber liegenden Hautschichten und enthält die
größeren Blutgefäße und Nerven für die oberen Hautschichten, sowie das
subkutane Fett und lockeres Bindegewebe. In der Unterhaut liegen Sinneszellen
für starke Druckreize.
Hautanhangsgebilde
Optische
Kohärenztomografie der Fingerspitze (Leistenhaut) in vivo mit
Schweißdrüsenausgängen
Zu den sog.
Hautanhangsgebilden der Haut gehören Haare mit ihren Talgdrüsen und dem
Haarbalgmuskel (Musculus arrector pili), Nägel, Hörner und Schweißdrüsen, wobei
letztere in ekkrine und apokrine Schweißdrüsen unterteilt werden. Nicht zuletzt
ist auch die Milchdrüse eine modifizierte Hautdrüse.
Leistenhaut und
Felderhaut
Betrachtet man
die Haut genauer oder mit einer Lupe, so wird ein feines Relief sichtbar. Nach
diesem wird die Haut in zwei Typen unterschieden.
Die Leistenhaut
tritt an den Fingern, der Handinnenseite (palmar) und der Fußsohle (plantar)
auf. Die Epidermis zeigt hier feine Papillarlinien (Hautleisten), die dadurch
entstehen, weil sich die Lederhautpapillen in Längsreihen anordnen. Dabei ist
jede Hautleiste von zwei Papillarkörperreihen unterlagert. Die Hautleisten
bilden ein individuelles Muster aus verschiedenen geometrischen Figuren
(Wirbel, Bogen, Schleife, Doppelschleife). Diese Muster werden bei der
Daktyloskopie (Fingerabdruckerkennung) kriminaltechnisch als eine Form der
biometrischen Daten genutzt. Die Leistenhaut enthält, außer vielen
Schweißdrüsen, keine Hautanhangsgebilde.
Die übrigen
Hautbereiche sind von der Felderhaut bedeckt. Hier zeigt die Oberfläche durch
feine Furchen abgegrenzte rhombische Felder (Areolae cutaneae). Die Furchen
entstehen an den papillenfreien Epidermisbereichen und verstreichen bei stärkerer
Hautspannung. Sie dienen als Reservefalten, da die Oberhaut weniger
dehnungsfähig ist als die Lederhaut. Die Größe der Hautfelder variiert je nach
Körperregion. Die Felderhaut enthält sämtliche Hautanhangsgebilde und ist
weniger als 1/10 mm dick. Am dünnsten ist sie im Bereich des Auges und der
Geschlechtsorgane.
Teile der Haut
und ihre Funktionen
Haut: Schutz vor
Wärmeverlust und Sonnenstrahlen, Aufnahme von Berührungsreizen Hornschicht:
Schutz vor Verletzungen und Austrocknung
Keimschicht: Nachbilden
von Hautzellen
Pigmentschicht:
Schutz vor Verbrennungen durch Sonnenstrahlen
Schweißpore:
Schutz vor Überhitzung durch Verdunstung von Schweiß
freie
Nervenenden: Umwandlung von Berührungsreizen; Schmerzempfindung
Lamellenkörperchen:
Aufnahme von Druckreizen
Schweißdrüse:
Produktion von Schweiß
Kältekörperchen:
Aufnahme von Temperaturreizen "kalt"
Wärmekörperchen:
Aufnahme von Temperaturreizen "warm"
Haarmuskel:
ermöglicht z.B. das Aufrichten von Haaren
Talgdrüse:
Produktion von Talg (fett)
Tastkörperchen:
Aufnahme von Berührungsreizen
Fetteinlagerung:
Schutz vor Druck und Unterkühlung
Blutgefäß:
Versorgung der Haut mit Nährstoffen und Sauerstoff
Die Haut als
Grenzorgan
Die Haut schützt
den Organismus vor dem Eindringen von Erregern bzw. gasförmigen, flüssigen oder
festen Fremdsubstanzen im weitesten Sinn, mechanischen Verletzungen,
Strahlenschäden, aber auch vor Flüssigkeits- Elektrolyt- und Proteinverlusten,
die bei schweren Verbrennungen der Haut lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.
Besiedelt wird sie von Bakterien und Pilzen, der sogenannten Hautflora.
Wärmehaushalt
Über die Haut
kann der Körper seinen Wärmehaushalt regulieren. Einer Überhitzung wirkt die
Haut mit den Schweißdrüsen entgegen. Durch die Schweißproduktion und die
dadurch mögliche Verdunstung wird Wärme von den dicht unter der Haut
verlaufenden Kapillargefäßen, die dazu weit geöffnet sind, abgeführt (siehe
Schwitzen). Mit Hilfe des Unterhautfettgewebes und im geringeren Maße durch die
der Behaarung wird Wärme zurückgehalten. Bei Kälte werden die Haut und das
Unterhautfettgewebe nur noch gering durchblutet und beide wirken dadurch als
Isolatorschicht. Die Haare können Aufgrund des geringen Haarkleides des
Menschen nur noch geringe Isolationsfunktion übernehmen. Dennoch kann man das
Wirkprinzip eines Fellkleides noch gut beobachten. Bei der bei Kälte
auftretenden Gänsehaut richtet der Musculus arrector pili das Haar auf. Eine
geschlossene Behaarung ermöglicht hier einen wesentlich besseren Schutz vor
Unterkühlung.
UV-Strahlungsschutz
Die Stärke der
einfallenden UV-Strahlung auf der Erdoberfläche hängt von der Tageszeit, der
geographischen Lage, der Jahreszeit, der Seehöhe, der jeweiligen Dicke der
Ozonschicht, der Bewölkung und von vielen anderen örtlichen Parametern ab.
Gegen die schädlichen Wirkungen der UV-Strahlung auf die Haut und der
darunterliegenden Gewebe existieren folgende Schutzmechanismen:
Das Haarkleid (Fell) der Säugetiere oder das
Federkleid der Vögel ist ein sehr effektiver Schutz gegen UV-Strahlung, da es
den größten Prozentsatz des UV absorbiert und reflektiert.
Die Hornschicht (stratum corneum) absorbiert
und reflektiert normalerweise ca. 10% der UVB- und ca. 50% der UVA- Strahlung,
diese Zahlen gelten für die menschliche Haut. Auf Erhöhung der UV- Belastung
reagiert die Haut mit einer Verdickung der Hornschicht; besonders stark ist
diese nach Sonnenbränden ausgebildet („Lichtschwiele“) [1].
Der Schutz der Haut durch Pigmentierung
basiert auf der physikalischen Absorption von UV durch Farbstoffe (Pigmente).
Viele Tiere besitzen eine Pigmentierung der Haut. Die veränderliche
Pigmentierung der menschlichen Haut stellt im Tierreich jedoch (bislang) eine
einzigartige Anpassungs- und Schutzmöglichkeit gegen UV-Strahlung dar. Es gibt
kaum Tiere, deren Haut in der Lage ist, die Pigmentierung in einem solchen Maß
zu verändern, wie dies beim Menschen möglich ist [1].
Als so genannte „Sofortbräunung“ (engl.
immediate pigment darkening) bezeichnet man eine kurzfristige, nur wenige
Stunden anhaltende Bräunung der Haut nach einer UV- Belastung. Die
Sofortbräunung beruht sowohl auf einer Änderung der chemischen Konformation der
Melaninmoleküle, als auch auf einer Umverteilung der Pigmentkörperchen in der
Epidermis, und besitzt fast keine Schutzwirkung gegen UV-Strahlung [1].
Die (verzögerte) UV-Bräunung setzt erst ca.
72 Stunden nach der UV-Belastung ein. Die Melanozyten der Haut reagieren auf
UV-Einstrahlung mit der verstärkten Produktion und Abgabe von Eumelanin (oder
Phäomelanin bei Menschen des Hauttyp 1), das der Haut einen braunen
(Phäomelanin: rötlichen) Farbton gibt, und UV in hohem Maße absorbiert, wobei
Phäomelanin wesentlich weniger UV absorbiert. Die ethnisch verschiedenen
Hautfarben der Menschen resultieren aus den jeweiligen Hauttypen.
Die Haut als
Stammzellenspeicher
Die Haut enthält
wertvolle adulte Stammzellen die sich nach den neuesten Erkenntnissen aus
Wissenschaft und Forschung zufolge in alle anderen Organgewebe (alle drei
Keimblätter des menschlichen Organismus) weiterentwickeln können. Dies sind
also wahrlich pluripotente Stammzellen. Darüberhinaus findet man in der Haut
eine neue Sorte von Stammzellen, ABCB5 P-glycoprotein positive Stammzellen, die
offensichtlich ein wesentlich höheres regeneratives Potential besitzen als alle
bisher gefundene adulte Stammzellen. Die Haut nimmt somit eine entscheidende
Schlüsselposition als Reservoir für Stammzellen ein. Damit bietet sich die Haut
als ideale Quelle für pluripotente Stammzellen für innovative Therapien der
regenerativen Medizin, an. Zukünftig werden adulte Stammzellen aus der Haut in
den verschiedensten Bereichen der Stammzelltransplantation und dem Herstellen
von Geweben aus adulten Stammzellen durch Tissue Engineering ihren Einsatz finden.
Die Stammzellen aus dem Hautgewebe können bis in das fortgeschrittene
Erwachsenenalter gewonnen und für eventuell notwendige medizinische Anwendungen
ein Leben lang aufbewahrt werden. Stammzellen aus dem eigenen Hautgewebe haben
gegenüber den bislang am häufigsten transplantierten Stammzellen aus dem
Knochenmark, dem Nabelschnurblut oder dem peripheren Blut mehrere Vorteile:
Die Haut enthält eine große Zahl an
wertvollen Stammzellen
Es existiert ein molekularer Marker der die
Isolierung der Stammzellen für die klinische Anwendung ermöglicht
Die Haut als Organ ist leicht zu erreichen
Die Entnahme von einer kleinen Menge
Hautgewebe ist einfach und risikolos
Die Entnahme kann bis in das fortgeschrittene
Erwachsenenalter problemlos vorgenommen werden.
Immunologisches
System der Haut
Als
antigenpräsentierende Zellen fungieren in der Haut die Langerhanszellen.
Die Haut als
Kontakt- und Sinnesorgan
Die Haut stellt
den sichtbaren Teil des menschlichen Körpers dar. Als solcher erfüllt die Haut
eine Reihe kommunikativer Funktionen. Zur Reizaufnahme ist die Haut mit
unterschiedlichen Typen von Rezeptoren ausgestattet:
Schmerzrezeptoren: Sie liegen in der
Lederhaut, ihre Dichte variiert je nach Körperregion (bis zu 200/cm2 Haut).
Druckrezeptoren (Vater-Pacini-Körperchen):
Sie dienen der Wahrnehmung von Druckempfindungen und liegen in der Unterhaut.
Ihre Dichte beträgt bis zu 100/cm2.
Thermorezeptoren (Krause-Körperchen und freie
Nervenendigungen): Sie sind besonders dicht an Kinn, Nase, Ohrmuschel,
Ohrläppchen (9 bis 12/cm2) und Lippen (> 15/cm2). Insgesamt besitzt die
menschliche Haut ca. 250.000 Kälterezeptoren. Die Anzahl der Wärmerezeptoren
beträgt nur etwa 1/10, sie arbeiten zudem deutlich langsamer als Kälterezeptoren.
Dehnungsrezeptoren (Ruffini-Körperchen): Sie
registrieren den Dehnungszustand der Haut und liegen in der Lederhaut (Stratum
reticulare). Ihre Dichte beträgt bis zu 2/cm2 Haut.
Tastrezeptoren (Meissner-Körperchen und
Merkel-Zellen): Tastrezeptoren kommen in der unbehaarten Haut vor. Besonders
dicht (Abstand: 1-5 mm) sind sie in den Fingerspitzen, den Lippen, der Zunge,
den Brustwarzen, den äußeren Geschlechtsorganen und der Afterregion verteilt.
Haarfollikelrezeptoren: Sie registrieren die
Haarstellung (siehe auch Sinushaar).
Die
psychogalvanische Hautreaktion gibt Rückschlüsse auf emotionale Vorgänge (siehe
auch Lügendetektor).
Siehe auch:
Erröten und Erythrophobie, Zärtlichkeit, Streicheln, Erotik, Mechanorezeptor,
Taktile Wahrnehmung, Sensibilität.
Die Haut als
Repräsentationsorgan
Da die Haut stark
das Erscheinungsbild des Menschen prägt, ist sie Hauptobjekt der Kosmetik.
Natürliche Erscheinungen sind Sommersprossen, Leberflecken und Altersflecken.
Künstlich verändert wird das Aussehen der Haut durch Tätowierungen, der
afrikanischen Skarifizierung, Brandnarben oder der indischen Körperbemalung
Mehndi. Außerdem ist die Haut Träger aller Arten von Körperschmuck.