Piercing (von Englischen Sprache übersetzt „durchbohren, durchstechen, durchstoßen, durchbrechen) ist eine Form der Körperkunst, wobei Piercingringe oder Piercingstäbe (Piercingstecker) an verschiedenen Stellen des menschlichen Körpers angebracht werden, in dem der Piercingschmuck durch die Haut und das darunter liegenden Fett- oder Knorpelgewebe gezogen wird. Vor nicht allzu langer zeit wurde Piercingschmuck mit einem Holz-, Metallstumpf, wieder verwendbaren Nadeln, spitzen Gegenständen oder durch schneiden der Haut, Gewebe, Knorpel eingebracht und eingesetzt.
Es gibt da einige Geschichten: Eine Frau erzählte mal das sie ein Bauchnabelpiercing von einen Chirurg eingesetzt bekommen hat! Der Chirurg schnitt mit einem Skalpell ein Stück oberhalb des Bauchnabels auf, klappte ein Stück Haut hoch und setzte das Bauchnabel -Bananabel ein und nähte es wieder zu.
Bei einer anderen Frau schnitt der Chirurg mit einen Skalpell zwei Löcher in ihre Haut, nahm einen spitzen Gegenstand und stach so ein Loch in ihren Bauchnabel, erst dann schob er den Piercingschmuck hindurch.
Wenn Piercings auf solche Art eingesetzt werden, kann es nur schief gehen! Dadurch entsteht außerdem eine riesige Narbe was nicht so schön aus sieht, auch die Abheilung ist bei solchen Piercings oft unmöglich oder es wächst heraus!
Jeder Professionelle verwendet eine sterile Einweg Nadel zum piercen!
Stechen:
Meistens werden Piercings mit einer Kanüle gestochen. Hierbei ist die Nadel durch einen Plastik- oder Teflonüberzug geschützt, Nachdem die Nadel durch die Haut gestochen wurde, wird sie entfernt. Lediglich der Überzug verbleibt in dem Stichkanal. Mit der Hilfe dieses Überzuges wird der Piercingschmuck durch den Stichkanal gezogen. Für den ersten Einsatz eignet sich G23-Titan-Hochglanzpoliert oder 18kt/750er Gold Piercingschmuck in Stecker oder Ring Form.
Natürlich muss nach dem Stechen auf ausreichende Hygiene geachtet werden, da sich das „Loch“ sonst entzünden kann. Nach dem Stechen darf der Piercingschmuck für mehrere Wochen nicht gewechselt werden, da ansonsten der Heilprozess negativ beeinflusst wird und dadurch die Gefahr von Infektionen steigt.
Bei Ohren- oder Nasen-Piercings wird meistens die Ohrlochpistole angewendet. Hiervon ist jedoch abzuraten, da durch das Schießen, der stumpfe Piercingschmuck mit enormer Geschwindigkeit in das Gewebe geschossenem wird, ist mit einer (gefeuertem) Kugel aus einem Gewehr zu vergleichen! Das Gewebe reißt ein und ist für immer zerstört, an Knorpelstellen splittet es sogar und später kann in dem Bereich des geschossenen Loches sich ein Knüppel bilden, der später Chirurgisch (Operativ) entfernt werden muss.
Nach jedem schissen muss die Pistole gereinigt und steril gemacht werden.
Das Problem ist die Ohrlochpistole ist auch nicht vollständig Sterilisier bar, da es zum Teil aus Plastik besteht und somit nicht in ein Sterilisator kann! Da in einen solchen Gerät hohe Temperaturen herrschen wurden die einzelnen Plastikteile kaputt gehen! Auch das desinfizieren von so einer Pistole ist nicht so einfach, da es aus vielen Einzelstücken besteht kann man gar nicht so richtig an jede stelle erreichen um es wieder hygienisch sauber zubekommen! Daher ist der Einsatz eines Piercings mit so einen Gerät nicht ganz ungefährlich da die Infektion Gefahr ziemlich hoch ist. Zudem sind die hierbei verwendeten Ohrstecker für den Ersteinsatz ungeeignet.
Eine weitere Methode ist der sogenannte Dermal Punch. Dabei werden Gewebeteile mit einer Hohlnadel bis zu einem Durchmesser von 8 Millimetern heraus gestanzt. Dies wird vor allem angewendet um größeren Schmuck in Knorpelgewebe einsetzen zu können. Weil hierbei Gewebe komplett entfernt und nicht verdrängt wird, heilen gepunchte Piercings besser, da der Schmuck weniger Druck ausübt. Der Nachteil von Punchen ist allerdings, wenn man die Absicht hat das gepanchte Loch wieder zuwachsen zulassen ist nicht möglich oder sehr schwierig da das Gewebe fehlt.
Vor dem Stechen sollte kein Alkohol, Drogen und Koffein, sowie blutverdünnende Medikamente eingenommen werden, da diese den Kreislauf und die Blutgerinnung beeinträchtigen können. Paar Stunden vor dem Piercing-Stechen sollte man was essen, da ein niedrige Blutzucker zu einem schwäche Anfall führen kann.
Dehnen von Piercings
Gedehntes Piercing mit einem 11mm Fleischtunnel (flesh tunnel)
Das Dehnen von Piercings (auch Stretching) bezeichnet die beabsichtigte Vergrößerung des Stichkanals eines Piercings, um Piercingschmuck mit größerem Durchmesser tragen zu können.
Meist wird diese Praxis beim Lobe-Piercing durchgeführt, grundsätzlich kann jedoch jedes Piercing auf einen gewissen Durchmesser erweitert werden. Beim Prinz Albert wird sogar empfohlen, das Piercing zu weiten, um den Tragekomfort zu erhöhen und ein mögliches Herauswachsen zu verhindern. Knorpelpiercings sind gewöhnlich schwieriger zu dehnen und können dabei Wulstnarben bilden, wenn sie zu schnell gedehnt werden. Problematisch ist auch das Weiten von Oberflächenpiercings, da diese einer starken Spannung ausgesetzt sind. Um den Stichkanal nicht zu verletzen, wird er üblicherweise in kleinen Schritten gedehnt.
Methoden
Auf 10mm geschnittenes Piercing
Um das Piercing zu vergrößern, gibt es verschiedene Methoden unterschiedlichen Ursprungs und für verschiedene Zwecke. Das einfache Dehnen des Stichkanals erfordert dabei meist etwas Geduld, da das Gewebe zwischen den einzelnen Schritten einige Wochen benötigt, um sich zu lockern und bei weiterer Vergrößerung nicht einzureißen. Eingerissenes Gewebe lässt sich nicht mehr gut dehnen, da das eingerissene Gewebe nach dem heilen Knoten und Verhärtungen bildet. Der gedehnte Stichkanal bildet sich nach Herausnehmen des Schmucks jedoch nach einiger Zeit wieder um einige Millimeter zurück. Das Einschneiden des Kanals dagegen ist schmerzhafter und kann nur mittels eines weiteren chirurgischen Eingriffs wieder rückgängig gemacht werden.
Eine weitere Methode der Körpermodifikation, um größeren Schmuck tragen zu können, ist das sogenannte Dermal Punching, wobei kein bereits vorhandener Stichkanal vergrößert, sondern ein entsprechend großes Loch direkt heraus gestanzt wird. Meist wird diese Methode in der Ohrmuschel bevorzugt, da sich Knorpelgewebe nur sehr schlecht dehnen lässt. Zudem verläuft der Heilungsprozess in der Regel zügiger, da weniger Druck auf den Schmuck entsteht.
Dehnungsstifte in Millimetern
Verwendung eines Dehnungsstiftes:
Dies ist die verbreitetste und schonende Technik um Piercings zu dehnen. Dabei wird ein konisch verlaufender Dehnungsstift (Taper) verwendet, der zuvor mit Gleitgel bestrichen und vorsichtig in den Stichkanal eingeführt wird. Der Schmuck mit größerem Durchmesser wird anschließend am Ende des Dehnungsstiftes angesetzt und hinterher geschoben. Alternativ kann auch eine kreisförmige Dehnungssichel verwendet werden. Die Dehnungsstifte sind in verschiedenen Größen erhältlich und werden über das größere Ende definiert und haben dort eine Hohlstelle um den einzuführenden Schmuck besser ansetzen zu können. Meist sind sie aus Edelstahl oder Acryl gefertigt. Ihre Länge variiert zwischen 5-10 Millimeter. Bei der privaten Dehnung von Piercings werden oft auch einfache Stricknadeln oder Kugelschreiber verwendet. Hierbei ist besonders auf Hygiene und unverkratzte Materialien zu achten.
Ohne Verwendung von Hilfsmitteln:
Der Schmuck kann auch ohne Verwendung von Hilfsmitteln durch das vorhandene Piercing gedrückt werden, was oft zu Blutungen, Entzündungen oder Vernarbung führt und das weitere Dehnen erschwert. Auch kann der gesamte Stichkanal bei unvorsichtiger Anwendung heraus gestülpt werden. Manche Piercings dehnen sich auch selbstständig durch das einfache Tragen von Schweren Schmuck, wodurch größere Durchmesser problemlos eingesetzt werden können. Oft passiert dies an Stellen an denen das Piercing viel in Bewegung ist oder bei regelmäßigem Spielen (wie z. B. beim Ohr Loch oder Zungenpiercing)
Mit Skalpell auf 10mm geschnittenes Piercing. Vorher und nachher
Verwendung von Teflon-Band:
Teflon hat die Eigenschaften, dass es sehr glatt und verträglich ist. Hierbei wird der Schmuck herausgenommen und eine dünne Schicht von nicht-klebendem Teflonband um das Piercing gewickelt. Anschließend wird der Schmuck wieder eingesetzt und der Prozess wiederholt sobald sich das Piercing an den größeren Durchmesser angepasst hat. Handelsübliches Teflonband ist ca. 0,1mm dick. Um die empfohlene Dehnungsrate von 1mm je Monat zu erreichen werden alle 6 Tage je eine neue Schicht Teflonband um den Schmuck gewickelt.
Verwendung von Gewichten:
Großer, schwerer Piercingschmuck oder andere schwere Objekte können zum Dehnen verwendet werden. Diese Methode wird nur selten angewandt, da sie sehr unkomfortabel ist und das Piercing zum Wandern bringen kann. Besonders am Ohr führt diese Methode zu einer dauerhaften Verdünnung des Gewebes. Dennoch handelt es sich hierbei um die traditionelle Methode verschiedener Volksstämme wie den Dayak in Borneo, die extreme Formen der Ohrlochvergrößerung praktizieren.
Schneiden:
Bei dieser Methode wird der Stichkanal nicht wie üblich gedehnt, sondern unter Verwendung eines Skalpells aufgeschnitten um den Durchmesser zu erweitern. Häufig wird dieser Eingriff angewandt um das Piercing schnell auf einen größeren Durchmesser zu bringen und besonders große Fleischtunnel oder Earplugs einsetzen zu können. Auch kann die Position eines größeren Piercings damit leicht versetzt werden.
Verwendung von Skalpell und Dehnungsstift:
Auch wird gelegentlich eine besonders schmerzhafte Methode angewandt, bei der das Gewebe erst eingeschnitten und anschließend mit einem Dehnungstift auf einen größeren Durchmesser gedehnt wird.
Schmuck
Septum Tusks aus Horn
Schmuckvariation für gedehnte Piercings
Für geweitete Piercings gibt es eine große Auswahl an einsetzbarem Piercingschmuck. Sobald das gedehnte Piercing abgeheilt ist können auch Materialien eingesetzt werden, in denen Schmuck in geringeren Durchmessern nicht erhältlich ist. Neben einfachen Ball Closure Rings und Barbells in größeren Materialstärken, können beispielsweise im Septum-Piercing spezielle Septum Tusks getragen werden.
Im Ohr wird meist ein Plug oder ein durchschaubarer Fleischtunnel getragen. Erhältlich ist der Schmuck in verschiedenen Materialien wie Stein, Holz, Horn, Bernstein oder Glas. Da viele Materialien wie Holz oder Horn besser atmen als dies bei Metall oder Kunststoff der Fall ist kommt es hierbei zu weniger Talgbildung.
Heilung und Pflege
Die meisten Dehnungsmethoden hinterlassen keine Wunde und ordnungsgemäß durchgeführte Vergrößerungen müssen anschließend nicht verheilen, sondern brauchen lediglich eine "Ruhepause" bevor sie weiter geweitet werden. Soweit es die Elastizität und Beschaffenheit des Gewebes erlauben können Piercings auf sehr große Durchmesser gebracht werden. Je größer und länger ein Piercing gedehnt wurde, desto geringer verkleinert sich der Durchmesser nach dem Herausnehmen des Schmucks, was jedoch auch individuell vom Alter und Gewebe des Trägers abhängig ist. Schnell gedehnte Kanäle schließen sich in der Regel geringfügiger als langsam gedehnte. Übermäßig oder unsachgemäß gedehnte Piercings können Schäden verursachen. Dabei kann es zu Narbenbildung kommen. Vernarbtes Gewebe ist schwieriger zu dehnen.
gedehntes Ohrläppchen mit und ohne Schmuck
Besonders bei größeren Durchmessern sollten sowohl das Schmuckstück als auch der Stichkanal regelmäßig gereinigt werden, da es zu erhöhter Talgablagerung und Geruchsbildung kommen kann.
Probleme/Gefahren
Gedehntes Zungenpiercing
Besonders bei neu gedehnten Piercings Loch ist die Haut oft dünner und durchlässiger für Bakterien wodurch ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Bei gedehntem Zungenpiercing kann der massivere Schmuck Zahnschäden verursachen. Bei einem zu großen Stichkanal kann das Sprechen auf Grund der Luftzirkulation massiv beeinflusst werden.
Geschichte und Kultur
Tutanchamun mit gedehntem Ohrläppchen
Gedehnte Lippen beim Volksstamm der Sara
Gedehnte Piercings sind wahrscheinlich so alt wie Piercings selber. Alle modernen Dehnungsmethoden wurden bereits von primitiveren Kulturen angewandt.
Aus der Bildhauerkunst ist bekannt dass besonders in Asien gedehnte Ohrlöcher bereits vor tausenden von Jahren üblich waren und viele afrikanische und südamerikanische Volksstämme nutzen diese Form des Körperschmucks noch heute, wobei unter anderem die Lippen auf zum Teil enorme Größen gedehnt werden.
Heutzutage hat die moderne Form des Körperschmucks diese alte Technik erneut populär gemacht und ist in zahlreichen Jugend- und Subkulturen zu finden. Diese Entwicklung wurde besonders von der Bewegung der Modern Primitives vorangetrieben.
Maße
Der Schmuck wird in Europa in Millimetern gemessen. In den USA dagegen in Gauge beginnend bei 20g bis zu 000g. Größere Durchmesser werden in Zoll (Inch) angegeben.
Die folgende Tabelle zeigt die üblichen Maße der erhältlichen Schmuckstücke.
Stark gedehnte Septum- und Labretpiercings
Millimeter Gauge Zoll
1,0mm 18g 5/127"
1,2mm 16g 3/64"
1,6mm 14g 1/16"
2mm 12g 5/64"
2,4mm 10g 3/32"
3,2mm 8g 1/8"
4mm 6g 5/32"
5mm 4g 3/16"
6mm 2g 1/4"
8mm 0g 5/16"
10mm 00g 3/8"
11mm 000g 7/16"
12,7mm - 1/2"
14mm - 9/16"
16mm - 5/8"
19mm - 3/4"
22mm - 7/8"
25mm - 1"
Piercing
Septum- und Labretpiercing
Piercing (von engl. to pierce [pɪəs], „durchbohren, durchstechen“ über altfrz. percier und lat. pertundere, „durchstoßen, durchbrechen“) ist eine Form der Körperkunst, wobei Ringe oder Stäbe an verschiedenen Stellen des menschlichen Körpers angebracht werden, indem der Schmuck durch die Haut und das darunter liegende Fett- oder Knorpelgewebe gezogen wird.
Schmuck
Piercingschmuckvariation
Hauptartikel: Piercingschmuck
Zum Einsatz werden vorzugsweise verschraubbare Barbells (Stäbe mit zwei verschraubten Kugeln an den Enden) oder Ball Closure Ringe mit Klemmkugel verwendet.
Materialien
Als Ringmaterial geeignet ist 750er Gold, Platin, Niob, Titan, PTFE (Bioplast) oder medizinischer Edelstahl, wobei der Schmuck für den Ersteinsatz aus Titan, Niob oder PTFE bestehen sollte. Nickel sollte wegen der Gefahr von allergischen Reaktionen nicht verwendet werden. Seit kurzem darf auch wieder 316L-Implantatstahl für den Ersteinsatz verwendet werden. Renommierte Piercing-Studios mit langjähriger Erfahrung verwenden ausschließlich Ringe oder Stecker aus G23-Titanium oder 316L-Implantatstahl für den Ersteinsatz
Stechen
Stechen eines Zungenpiercings
Kanüle ohne Nadel
Piercingarten
Verschiedene Ohrpiercings
Ohrpiercings
1. Helix: Piercing durch das Knorpelgewebe der Ohrkante.
2. Industrial Piercing: Hierbei wird ein Barbell in zwei gegenüberliegende Helix-Piercings eingeführt.
3. Rook: Piercing durch den Anti-Helix.
4. Daith: Piercing durch die waagerechte Auswölbung in der Ohrmuschel.
5. Tragus: Piercing durch den Knorpelfortsatz am Eingang des Gehörkanals.
6. Snug: Piercing durch die innere Knorpelauswölbung parallel zur Ohrkante.
7. Conch: Piercing durch die innere oder äußere Ohrmuschel.
8. Anti-Tragus: Piercing durch den dem Tragus gegenüberliegenden Knorpelfortsatz.
9. Lobe: Klassischer Ohrring.
Gesichtspiercings
Augenbrauenpiercing
Nostril: Piercing durch den Nasenflügel.
Septum: Piercing durch die Nasenscheidewand.
Bridge: Zwischen den Augen sitzendes, horizontales Piercing durch den Nasenrücken.
Zungenpiercing
Labret: Piercing in der Lippe.
Medusa: Zentriertes Piercing über der Oberlippe.
Madonna: Meist von Frauen getragenes Piercing seitlich oberhalb der Oberlippe.
Wangenpiercing (cheek piercing): Piercing durch die Wange.
Lippenbändchenpiercing.
Zungenbändchenpiercing
Austin Bar: Piercing durch die Knorpelkappe auf der Nasenspitze.
Körper
Brustwarzenpiercing
Brustwarzenpiercing
Bauchnabelpiercing
Hüftpiercing
Madison-Piercing
Intimpiercings bei Männern
Frenulumpiercing: Piercing durch das Vorhautbändchen
Prinz Albert (PA): Piercing, das durch die Harnröhre eintritt und etwa am unteren Ende der Eichel oder tiefer an der Penisunterseite wieder hervortritt
Reverse Prinz Albert (auch: Queen Victoria): wie ein PA, nur nach oben durch die Eichel, quasi ein „halber Apadravya“
Dolphin: wie ein doppeltes, tiefer sitzendes PA
Ampallang: Horizontal (quer) durch die Eichel gestochenes Piercing
Apadravya: Vertikal (mittig) durch die Eichel gestochenes Piercing
Dydoe: Piercing durch den Eichelrand
Pubic: Piercing über halb der Peniswurzel
Vorhautpiercing (auch: Oetang)
Hafada (auch: Scrotal): Piercing am vorderen Bereich des Hodensacks
Guiche: Piercing an der Naht zwischen Hodensack und After
Intimpiercings bei Frauen
Christina: Vertikales Piercing in der Falte an der die äußeren Schamlippen oben zusammenlaufen.
Nefertiti Piercing
Klitorispiercing
Piercing durch die Klitorisvorhaut
Schamlippenpiercing
Fourchette: Zentriertes, senkrechtes Piercing am unteren Ende der inneren Schamlippen.
Prinzessin Albertina: Piercing durch die Harnröhre der Frau.
Variationen
Gedehnte Piercings: Um Schmuck mit größerem Durchmesser einzusetzen kann ein Piercing vorsichtig geweitet werden. Meist wird diese Praxis beim Lobe-Piercing durchgeführt.
Oberflächenpiercing: Hierbei handelt es sich um ein Piercing bei dem sowohl dessen Einstich- als auch dessen Austrittskanal auf einer Ebene liegen.
Orbital: Zwei Piercings die mit einem Ring verbunden sind.
Venom-Piercings: Mehrere symmetrisch angeordnete Piercings in der Zunge oder der Lippe, auch entlang des Ohrrandes oder der Labien.
Geschichte des modernen Piercings
Mann im Piercingstudio
Zwar gab es mit The Gauntlet in Los Angeles schon 1975 den ersten modernen Piercing-Shop, die Verbreitung dieser Mode beginnt aber erst in den 1980er Jahren in Kalifornien, als die Bewegung der Modern Primitives, der modernen Wilden, entstand. Man übernahm bewusst die bei „wilden“ Völkern verbreiteten Bräuche, um den eigenen Körper zu verändern (Body Modification): Dazu gehörten vor allem die Tattoos, das Piercing oder die Narbenbildung (Scarification), später auch das Branding. Noch zu Beginn der 90er Jahre blieb das Piercing überwiegend auf die Punk- und BDSM-Szene beschränkt. Von da aus breitete es sich im Lauf weniger Jahre aus und ist heute als Schmuck beinahe allgemein akzeptiert.
Risiken
Wird das Piercing nicht fachgerecht vorgenommen, kann es zu Komplikationen kommen: Piercings durch den Ohrknorpel führen leicht zu Entzündungen. Beim Augenbrauenpiercing und beim Nasenflügelpiercing könnten Ausläufer des Trigeminusnervs getroffen werden. Bei allen Formen des Piercings kann es zu lokalen Schwellungen kommen, die meist nach einer Weile abklingen. Beim Bauchnabelpiercing, das bei Frauen beliebt ist, kann die Abheilungsphase bis zu einem halben Jahr dauern. Piercings im Dammbereich können zu dauerhaften Entzündungen führen, wenn man beruflich ständig sitzen muss.
Piercingschaden an den mittleren unteren Frontzähnen
Piercings im Mundbereich (Zunge, Lippe, Lippenbändchen) bergen ein hohes langfristiges Gefahrenpotential für Zähne und Zahnhalteapparat. Der Schmuckknopf eines Zungenpiercings führt relativ häufig zu Traumatisierung der zungenwärts gelegenen Zahnhöcker, was zu Zahnfrakturen und Absterben des Zahnmarkes führen kann. Die innen gelegene Konterplatte von Lippenpiercings drückt bei ungünstiger Lokalisation bei jeder mimischen Bewegung aufs Zahnfleisch und den darunter liegenden hauchdünnen Alveolarknochen. Da Knochen auf Druckbelastung schwindet, kann es so zu Zahnlockerungen bis hin zum Zahnverlust kommen. Ähnliches gilt für Piercings des Frenulums (Lippenbändchen).
Beim so genannten Prinz Albert (PA) wird der Ring durch den Ausgang der Harnröhre zur unteren Seite der Eichel des Penis gezogen. Zu dünne Ringe bis ca. 2 mm Materialstärke bergen die Gefahr des "Käseschneidereffekts": bei mechanischer Belastung kann der Schmuck durch das Gewebe schneiden; das Piercing reißt aus. Bei ausreichender Materialstärke kann ein PA allerdings recht belastbar sein. Bei zu engen Ringen kann es zu Quetschungen kommen.
Ein nicht vollständig abgeheiltes Intimpiercing erhöht, wie jede andere offene Wunde im Genitalbereich, die Gefahr einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten, z. B. Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV.
Bei Temperaturen unter -10°C kann es bei offen getragenen Piercings mit Metallschmuck zu Erfrierungen kommen, da Metall sehr kalt werden kann und Wärme besser leitet als organisches Gewebe.
Rechtliches
Gepierct werden darf wer das 18. Lebensjahr vollendet hat, bzw. Minderjährige mit Einverständnis des Erziehungsberechtigten. Wer Minderjährige ohne Einverständniserklärung des Erziehungsberechtigten pierct, macht sich nicht strafbar, denn auch der Minderjährige kann eine wirksame Erklärung gem. § 228 StGB abgeben. Für diese Erklärung ist Geschäftsfähigkeit nicht erforderlich.
Der Piercingvorgang ist rechtlich gesehen eine Körperverletzung. Deshalb muss der Klient in der Regel vor dem Piercen eine schriftliche Einverständniserklärung abgeben, die dem Piercer vor rechtlichen Folgen diesbezüglich befreit.
Der Piercer hat Beratungspflicht. Weist der Piercer nicht auf mögliche Folgen des Piercings, insbesondere etwaige Entzündungen oder Nervenschädigungen hin, kann dieser belangt werden. In einem Fall, bei dem bei einer Klientin die Teilamputation der Zunge drohte, wurde der Piercer zu 300 Euro Schmerzensgeld verurteilt. (AG Neubrandenburg, AZ "18 C 160/00")
Das Piercen befindet sich aus gesetzlicher Sicht in einer Grauzone. Wer Piercen darf und wer nicht, ist nicht klar definiert. Das VG Gießen kam mit Urteil vom 09. Februar 1999 (AZ "8 G 2161/98") zu dem Schluss, dass der Piercingvorgang, gleichgültig ob dabei lokale Anästhesie eingesetzt wird oder nicht, ausschließlich von Personen mit entsprechendem Fachwissen durchgeführt werden darf. So sei mindestens eine Ausbildung zum Heilpraktiker von Nöten, um Piercings setzen zu dürfen.
Oben genanntes Urteil wurde in nächster Instanz vom VGH Hessen mit Urteil vom 02. Februar 2000 (AZ "AZ 8 TG 713/99") insofern bestätigt, dass zumindest für das Piercen mit lokaler Anästhesie mittels Injektion eines Betäubungsmittels, Personal mit entsprechender Kompetenz (Heilpraktiker, Arzt) vorausgesetzt wird.
________________________________________
Dagegen hält sich, dass ein Arzt auch keine vorsätzliche Körperverletzung (Piercing) ausführen darf. Jede ärztliche Handlung bedarf einer Indikation (Paragraph 22 ÄG, Paragraph 8 KAG): „Eine Behandlung (ärztliche Handlung) kann nur aufgrund einer Indikation erfolgen.“)
Der Wunsch des Patienten (ein Piercing, *Anmerk Verfasser)ist keine Indikation.
Judikaturen zu diesem Thema gibt es derzeit noch keine. Auf der Universität wird Piercing nicht gelehrt, ein Arzt/Ärztin verfügt demnach über keine Ausbildung
________________________________________
Unter Indikation (Anzeige) versteht man den Grund für die Durchführung einer medizinischen Untersuchung oder Behandlungsmaßnahme.
Ist eine Maßnahme indiziert, dann ist sie sinnvoll begründet. Ist eine Maßnahme nicht indiziert, dann ist sie medizinisch sinnlos.
brustnippelpiercings